Eigentlich hatte der FC Zürich ein gutes Kader, dachte man. Urgestein Karl Grob in seiner letzten FCZ-Saison, die Natispieler Thomas Bickel, Jürg Studer, Heinz Lüdi, der Tscheche Jan Berger, der Schwede Jonas Thern, der später eine Weltkarriere machen sollte. Doch die Mannschaft brachte keinen Fuss vor den andern. Wie ein Damoklesschwert hing der neu geschaffene «Strich» über dem FCZ. Der Österreicher Hermann Stessl musste gehen, und als Notlösung wurde Timo Konietzka, der Meistertrainer der Siebziger, reaktiviert.
Drei Wochen vor dem Derby hatte Konietzka den englischen Stürmer John Linford von Fortuna Sittard verpflichtet, den er als «Dschungelkämpfer» ankündigte und «Terror-John» nannte. Linford ass gerne Wurstbrote, holte sich in praktisch jedem Spiel eine gelbe Karte und geizte nicht mit markigen Sprüchen: «Im Fussball habe ich mir noch nirgends Freunde gemacht», «Wenn ich auf den Platz gehe, will ich, dass die gegnerischen Spieler vor mir Angst haben. Und jeder weiss – was er austeilt, bekommt er zurück.»
Im Derby traten sich Terror-John und GC-Verteidiger In-Albon in die Knochen. «Da wurde gerempelt, gehalten, geklammert, gestossen, ausgeteilt und eingesteckt», schrieb der «Tages-Anzeiger» über das epische Duell. Aber ein Tor gelang Terror-John nicht. Immerhin holte er in der 69. Minute einen Penalty heraus, den Thomas Bickel, der in der nächsten Saison zu GC wechseln sollte, verschoss. Raimondo Ponte, später FCZ-Trainer, erzielte das einzige Tor für GC in der ersten Halbzeit.
Terror-John, eigentlich geholt, um die Mannschaft wachzurütteln und anzutreiben, bewirkte das Gegenteil. Er schüchterte seine Mitspieler ein und war bei denen bald verhasst. Er soff und prügelte sich in Bars. Nach wenigen Wochen wurde «der Verrückteste, den wir je auf dem Letzigrund hatten» (Burgermeister) suspendiert. Der FCZ kam in die Auf-/Abstiegsrunde und reihte auch dort eine blamable Leistung an die nächste. Sven Hotz erinnerte sich später mit Schaudern an diese Zeit: «Und dann holte Timo noch diesen englischen Knochenbrecher John Linford aus Holland. Lächerlich war dieser Transfer. Und wir stiegen dann ja prompt ab, und ich habe Konietzka selbstverständlich entlassen.» Der FCZ musste in die Nationalliga B, es sollte für fast drei Jahre das letzte Derby sein.
31.10.1987: GC - FC Zürich 1:0 (1:0)
Hardturm. - 10 000 Zuschauer. - SR Klötzli - Tor: 26. Ponte 1:0
FC Zürich: Knutti; Berger; Shane Rufer, Landolt, Schlumpf; Andracchio (70. Beat Studer), Kundert, Bickel, Hächler; Romano (59. Hedinger), Linford.
Bisher in dieser Serie: 14. Juli 1996, 8. Mai 1998